Baudenkmalpflege II
Shownotes
Im zweiten Teil der Reihe Baudenkmalpflege vertiefen wir unser vorangegangenes Thema zur Objektaufnahme und dürfen erneut Susanne Leiner dazu befragen. Diesmal nehmen wir die Begriffe "Evaluierung" und "Wartung" genauer unter die Lupe. Diese besprechen wir anhand eines recht prominenten Praxisbeispiels: wie wurden die Fassaden des Kunst- und Naturhistorischen Museums in Wien untersucht und wie kann man feststellen, in welchem Zeitraum welcher Fassadenabschnitt erneut restauriert werden muss? Wie funktioniert die Wartung & Pflege so großer Bauwerke? All das und mehr erfahrt ihr in der aktuellen Folge!
Transkript anzeigen
00:00:00:
00:00:13: Hallo und willkommen zu einer neuen Folge unseres Restaurier-Podcasts.
00:00:18: Wir sind
00:00:19: Anna und Martina, beide akademische Steinrestauratorinnen aus Wien!
00:00:23: Und wir geben Folge für Folge Einblicke in die Welt der Konservierung und Restaurierung.
00:00:40: Hallo, liebe Martina!
00:00:42: Und hallo an alle da draußen.
00:00:45: Unsere heutige Folge ist der zweite Teil unserer Baudenkmalpflege-Reihe.
00:00:51: Wir hatten in unserer letzten Folge Susanne Leiner zu Gast eine Kollegin mit der wir über Bestands und Zustandserfassungen die Erstellung von Maßnahmenkonzepten in der Baudenkmalpflege gesprochen haben anhand ihres Diplomprojekts der Liesinger Aqueductbrücke.
00:01:08: Und heute gehen wir zu Teil zwei über bleiben beim Thema Baudenkmalpflege und schließen dort an, wo wir aufgehört haben.
00:01:15: Beim letzten Mal nämlich bei dem Thema Evaluierungen.
00:01:19: Unter Evaluerung verstehen wir in der Restaurierung die Beurteilung des aktuellen Zustands eines Objekts im Abgleich mit Maßnahmen, die im Zuge von früheren Restaurierungen gesetzt wurden.
00:01:31: Also man bewertet dabei einfach diese Maßnahmen
00:01:35: zu beurteilen,
00:01:36: ob sie erfolgreich waren.
00:01:38: Ob Sie mit dem Objekt gut verträglich waren oder ob Sie vielleicht nicht so gut funktioniert haben oder sogar zu mehr Schäden geführt haben.
00:01:46: und deshalb sind Evaluierungen sehr, sehr wichtig.
00:01:49: in unserem Bereich Und uns gegenüber sitzt auch heute wieder Susanne Leiner Susi!
00:01:54: In unserer letzten Folge haben wir damit aufgehört dass wir gerade über die Musterfläche gesprochen haben Ihr, basierend auf dem Maßnahmenkonzept, die ihr für das Leasinger Aqueduct entwickelt habt, dort auch angelegt habt.
00:02:08: Nach einem Jahr konnte dir diese dann evaluieren als euch die ganze Musterfläche genau ansehen und bewerten ob die Maßnahmen, die er damals vorgeschlagen hat oder noch umgesetzt habe, ob das alles so funktioniert hat oder eben zu weiteren Schäden am Objekt geführt haben.
00:02:24: Und jetzt die erste Frage was mich natürlich Brennen interessiert?
00:02:28: Was ist denn dabei rausgekommen?
00:02:31: Hallo auch von meiner Seite, freue mich sehr dass ich wieder da sein darf und werde euch Rede und Antwort stehen.
00:02:39: Und jetzt gleich einmal zu der Evaluierung der Musterfläche an der Architektbrücke.
00:02:43: Es liegt zwar schon ein Zeital zurück aber ich kann mir noch gut erinnern wir haben einige Problemzonen an der Architektbrücke, das ist jetzt insbesondere die Sockelzone, die stark versalzen ist.
00:02:54: Es gibt einige Reiche, die sehr stark der Witterung ausgesetzt sind also sehr stark Schlagregenereignissen ausgesetzt und hier hat uns besonders interessiert im Rahmen der Evaluierung der Musterfläche haben unsere Mörtelrezepturen den beanspruchenen Land gehalten.
00:03:12: Gibt es besonders im Bereich Der stark geschädigten Zonen an der Archeduktbrücke?
00:03:17: gibt es hier vielleicht noch einen Bedarf, der Adaptierung der Maßnahmen einer Änderung von Rezepturen oder auch eine Änderungen zum Beispiel der Ausformung von Fugen etc.
00:03:32: Haben wir eine Sache festgestellt, es ist eben insbesondere in den sehr stark belasteten Bereichen haben die Mörtelergänzungen nicht gut gehalten.
00:03:42: Sie haben relativ schnell wieder entfestigt und haben Flankenabrisse gezeigt und wir haben dann im Nachgang und in Absprache mit dem anderen Projekt Bedeutigten das Maßnahmenkonzept dahingehend adoptiert, dass wir gesagt haben Wegen weg von den Mörtlergänzungen, vor allem in den stark salzbelasteten Bereichen hin zu Natursteinvierungen.
00:04:03: Das bedeutet Austauschungen von Steinen im Naturstein weil eben die Mörtel diesen Belastungen offenbar nicht gut standhalten können.
00:04:11: also es hat tatsächlich sich ausgezahlt hier diese Musterfläche noch einmal anzuschauen und das Maßnahmenkonzept dahingehend zu adaptieren.
00:04:20: Ich finde man muss in diesem Zusammenhang auch betonen dass das irgendwie wirklich der Idealfall war wie so eine Restaurierung in der Praxis umgesetzt wird, angefangen mit der Objektaufnahme die Erfassung des B-Stands und Zustands.
00:04:33: Was ihr euch wie gesagt im Teil eins noch einmal genauer anhören könnt.
00:04:37: Dann die Erstellung des Ausnahmenkonzepts eine Musterfläche.
00:04:41: Also das ist auch nicht selbstverständlich, dass man eine Musterfläche anlegt weil oft gibt es nicht genug Geld dafür oder keine Ressourcen oder auch oft keine Zeit.
00:04:50: also wenn ein Objekt wirklich sich in einen sehr schlechten Haltungszustand befindet wo man wirklich sofort Maßnahmen setzen muss hat man vielleicht gar nicht dann den Luxus dass man sagt jetzt warte mal nochmal ein Jahr und dann bewerten wir das ganze noch einmal.
00:05:03: also daß es wirklich hier ein sehr schönes Beispiel dafür wie man das so Schritt für Schritt macht.
00:05:09: Was mich jetzt in diesem Zusammenhang noch interessieren würde, wie ist das nach eurer Evaluierung und Adaptierung des Konzepts dann weitergegangen?
00:05:18: Nach Abschluss der Diplomarbeit- und Studienabschluss wurde ich dann mit meiner Kollegin gemeinsam auch noch eingeladen eine gesamte Pfeilerstellung des Aqueducts.
00:05:30: zu restaurieren gemeinsam mit einer Baufirma, um hier noch mehr Erfahrungen sammeln zu können in der Anwendung auf der vergrößerten Fläche von dem Maßnahmenkonzept.
00:05:40: Wir haben dann natürlich diese Adaptierungen hinsichtlich mehr Natursteinergänzungen umgesetzt und ich habe auch die Aufgabe gehabt, hier genaue Arbeitszeiterhebungen durchzuführen, um einfach eine Aufwarnsabschätzung für die Gesamtrestaurierung vorlegen zu können.
00:05:56: Das war sehr spannend, da habe ich mit einer kleinen Baufirma ein paar Monate lang eine Pfeilerstellung restauriert nach dem Konzept und das war sehr aufschlussreich, auf jeden Fall.
00:06:05: Und so haben wir jetzt noch eine größere Fläche die wir im Lauf der Jahre immer wieder beurteilen konnten was auch passiert ist.
00:06:15: diese weitere vergrößerte Testfläche dient jetzt auch als Grundlage für die Ausschreibung zur Restaurierung des gesamten Bauwerks
00:06:30: Wahrscheinlich auch der Größe des Bauwerks und der Prominenz des Bauwerk geschultet, dass da wirklich das alles so vorbildhaft abgelaufen
00:06:39: ist.
00:06:40: Dass man sehr viel vorab investiert hat, dass man dann wirklich ein Maßnahmenkonzept mit Hand und Fuß hat nämlich an weil sonst ... Anna-Dustas hervorhin schon gesagt, es ist halt irgendwie sein Ideal Projekt und oft kommen Evaluierungen oder umfassende Bestands- und Zustandsanalysen einfach zu kurz.
00:07:00: Und ich wollte dich jetzt auch fragen, so wie siehst du das mit den Evaluerungen?
00:07:06: Also wirst du regelmäßig beauftragt die Restaurierungen von dir wieder anzuschauen in ein zwei Jahren oder machst du das auf freiwilliger Basis, dass du dir das anschaust um einfach für dich selbst etwas mitzunehmen und dann vielleicht beim nächsten Projekt besser zu wissen okay die und die Mörtel in den bewitterten Bereichen passen gut oder passen nicht so gut.
00:07:27: Also wie siehst du das Thema Evaluierung?
00:07:29: Und hast doch das Gefühl, dass es in den letzten Jahren wichtiger geworden ist in unserem Bereich
00:07:36: also ich denke es ist seit maximal fünf bis sechs jahren vermehrt der Fall, dass man gefragt wird Dass es auch beim Bundesdenkmalamt am Schirm ist, dass das hier vielleicht ganz gut wäre alte Restaurierungen zu evaluieren.
00:07:52: Ich schaue mir grundsätzlich gemeinsam mit meinen Kolleginnen immer wieder die Restaurierung an, die wir durchgeführt haben einfach aus Interesse weil wir ja wissen wollen wie nachhaltig unsere Maßnahmen sind die wir gesetzt haben.
00:08:06: Wir sind sehr schließlich auch an Garantie und Gewährleistung gebunden.
00:08:09: Es ist auch ganz wichtig für uns zu wissen was funktioniert und was nicht funktioniert.
00:08:14: Wir haben auch schon einige Musterflächen durchgeführt, das werden ja immer wieder Beauftragungen für Muster Flächen ausgeschrieben.
00:08:21: Aber es ist tendenziell eher der seltenere Fall.
00:08:24: Das muss man auf jeden Fall sagen.
00:08:28: Genau wie wir auch vorhin gesagt haben dass es schon ein Luxus so eine Muster-Fläche machen zu dürfen.
00:08:33: ich möchte gerne noch auf ein anderes Thema zu sprechen kommen und zwar wenn wir jetzt eine Restaurierung durchgeführt haben Dann ist es leider oft nicht so, dass wir uns dann gemütlich zurücklehnen können und sich denken.
00:08:46: So jetzt haben wir ein bisschen Geld Zeit in die Hand genommen und das ist jetzt scheit restauriert und jetzt müssen wir nichts mehr machen und jetzt... Jetzt müssen wir uns immer darüber kümmern weil das jetzt erledigt.
00:08:56: Hackerl!
00:08:58: Ist leider nicht immer so denn hier gilt nach der Konservierung ist vor der Konserverung und ein wichtiger Bestandteil des Maßnahmenkonzepts wäre eigentlich auch Empfehlungen zur laufenden Pflege und Wartung zu geben.
00:09:14: Nun muss ich sagen, ich finde es ist nicht immer der Bestandteil – das ist auch erst in den letzten Jahren so aufgekommen, dass man in seinem Wartungskonzept auch Vorstiege zur Pflege-Wartung erteilt.
00:09:27: Wie machst denn du da Susi?
00:09:28: Wenn du jetzt einen Bericht schreibst oder eine Restaurierung, die du durchgeführt hast, ist es bei dir automatisch, dass du dann solche Empfehnungen abgibst?
00:09:38: Also in letzter Zeit wird Manchmal schon eingefordert oder ist schon Bestandteil der Ausschreibung, dass hier ein Pflege- und Wartungskonzept mitgeliefert werden muss nach Abschluss der Restaurierung.
00:09:49: Also mit dem Bericht zur Restaurierung muss so ein Pfleger- und wartungskonzept abgeliefert werden.
00:09:54: Und wenn wir jetzt selber Maßnahmenkonzepte erstellen und Objektaufnahmen machen dann ist das die Empfehlung, dass man einen Pflege und Maßnahmekonzept mitab
00:10:05: gibt
00:10:07: auf jeden Fall immer bestandteil dieser Maßnahmenempfehlungen.
00:10:12: Das freut mich sehr zu hören, dass es schon mehr Usus geworden ist das auch Wartung und Pflegemaßnahmenkonzept Berücksichtigung finden.
00:10:20: weil ich finde einfach wenn man sich Wenn man sich privat denkt, jeder wartet seine Sachen und jeder pflegt seine Sachen.
00:10:28: Wenn ich an ein Fahrrad denke ist jedem bewusst das muss man regelmäßig reinigen, ölen, pflegen.
00:10:35: wenn ich eine Waschmaschine habe, wenn ich einen Geschirrspüler hab den reinige ich und pflege ich weil ich weiß okay sonst ist mir der.
00:10:40: in drei Jahren geht mir der kaputt.
00:10:42: aber bei Restaurierungen oder großen Gebäuden ist er irgendwie lange nicht so das Bewusstsein da gewesen dass es auch ständig Wartung und Pflege braucht.
00:10:51: Und ich wollte dich da auch fragen, so als ein paar Beispiele, dass man sich das vielleicht ein bisschen besser vorstellen kann.
00:10:57: Was denn so typische Pflege- und Wartungsmaßnahmen an einem Gebäude sind?
00:11:02: Kannst du da ein paar Beispielen nennen für ein größeres Bäude oder auch ein technisches Kulturgut?
00:11:09: Also das Einfachste was man jetzt als Besitzer oder als Auftraggeber von Auftraggeberseite durchführen kann, sind Sichtkontrollen.
00:11:17: Wenn ich mein Gebäude gut kenne und jährlich oder alle halben Jahre oder vor allem nach der Frostperiode mir alle Wandflächen anschauere und zum Beispiel nach feuchten Flecken untersuche oder mir anschaue ob die Wasserableitungen grundsätzlich gut funktionieren.
00:11:34: gibt es verstopfte Wachrinnen?
00:11:36: merke ich das bereits?
00:11:38: die Farbe abblättert kleinere Dinge.
00:11:41: Sind die Ohrflächen wieder mit Mikrobiologie besiedelt, verstärkt irgendwo?
00:11:45: Dann kann ich davon ausgehen dass dort eher feuchter Angebot höher ist.
00:11:49: Gut ist es wenn man das Gebäude einfach gut kennt und einfach nach solchen Schadensphänomen einen Ausschau hält.
00:11:55: so kann man schon einmal sehr frühzeitig wieder eingreifen und verschieden hintanhalten.
00:12:01: Das wäre mal das erste was man tun kann.
00:12:03: Die einfachste Maßnahme die nicht viel kostet.
00:12:06: Ich finde das ist ja auch genau der Punkt in das Bewusstsein ein bisschen führen muss, dass wenn man laufend kleine Maßnahmen setzt erspart man sich wahnsinnig viel Geld.
00:12:17: Weil oft ist manchmal diese Irrglaube ja, man wartet noch ein bisschen mit der Restaurierung und spart sich was an und macht dann mal eine sehr umfassende Restaurierung.
00:12:27: aber durch das Setzen von so kleinen... eben wie du es gerade beschrieben, so kleinen Maßnahmen und ein bissel drauf schaust, kann man sich doch viel Geld ersparen.
00:12:36: Ja, auf jeden Fall.
00:12:38: Es ist bewiesen, dass wenn einmal ein Schaden auftritt wie zum Beispiel Fugen reißen Wasser trinkt ein und es entsteht einfach durch Frosteinwirkungen im schlimmsten fall einen größeren Schaden Und diese Schäden setzen sich dann im Mauerwerk fort und der schadensverlauf ist meistens exponentiell.
00:12:56: das bedeutet also der Schadens Verlauf verschnellert sich und erhöht sich immer mehr.
00:13:03: Wenn ich hier frühzeitig eingreife und zum Beispiel gerissene Fugenmörtel frühzeitig tausche, die Wasserableitung damit gewährleisten kann ich einfach größere Schäden vermeiden.
00:13:16: Das bedeutet dass der Bestand gesichert bleibt und dass sich ganz sicher später weniger hohe Kosten für die Sanierung wieder in die Habe und weniger Geld in die Hand nehmen muss.
00:13:28: An dieser Stelle möchte ich jetzt überleitend zu einem Projekt von dir und deinem Team, was ihr letztes Jahr bearbeitet hat.
00:13:37: Weil ich finde das bietet sich einfach so super an da alle von uns in unserer letzten Folge und in unsere heutigen Folge besprochenen Themen einfließen.
00:13:47: also hier einen kurzen Reminder an alle die vielleicht jetzt gerade erst in diese Folge eingeschaltet haben hört bitte euch unbedingt Teil eins an zur Bestands- und Zustandserfassung oder Stellungmaßnahmenkonzept.
00:14:00: Ich habe letztes Jahr für das Naturhistorische und Kunsthistorischer Museum eine Evaluierung durchgeführt.
00:14:07: Und einen sogenannten Wartungsplan
00:14:10: erstellt.
00:14:12: Da ist jetzt meine erste Frage dazu, wie hat da die Evaluerung ausgesehen?
00:14:16: Weil wenn ich jetzt an die Aquituktbrücke in Leasing denke, dann haben wir eine Musterfläche.
00:14:21: Da habt ihr das Maßnahmenkonzept selber erstellt, ihr habt selber die Muster Fläche angelegt.
00:14:26: Wenn ich jetzt an das KHM und NHM denke, stelle ich mir das ein bisschen komplizierter vor.
00:14:31: Weil da sind zwei Monumentalbauten auf der Wiener Ringstraße.
00:14:35: Sie schauen ja irgendwie fast ident aus.
00:14:38: Und da habt ihr nicht das Maßnahmenkonzept entwickelt?
00:14:43: Wie geht man dabei so eine Evaluierung vor?
00:14:47: Also im Fall von Kunsthistorischen und Naturhistorischem Museum haben wir es hier mit eben wie du schon gesagt hast, nahezu identen Gebäuden etwas die Außenfassade betrifft zu tun.
00:14:59: Besonderheit an den beiden Gebäuden ist, dass innerhalb der letzten fünfzehnzig Jahre einmal rundherum durch restauriert wurden in jeweils sechzeien Bauabschnitten unterteilt von zwar unterschiedlichen Firmen aber immer nach dem gleichen Maßnahmenkonzept das allen bekannt ist.
00:15:17: also wir kennen das Maßnahmenkonzept und wissen welche Maßnahmen durchgeführt wurden Und wir wissen auch, wer welche Fassade bearbeitet hat.
00:15:27: Kann man sich das dann so vorstellen?
00:15:30: Dass ihr euch nur gewisse Fassadenabschnitte angesehen habt als euch vielleicht sehr repräsentative Bereiche herausgesucht habt und die genauer analysiert habt?
00:15:39: oder seid ihr wirklich einmal über jede Oberfläche drüber gefahren, habt euch jeden Naturstand jeder Fuge angesehen um es danach evaluieren zu können?
00:15:50: und welche Fragen habt ihr euch da bei der Evaluierung gestellt?
00:15:55: Die erste und die dringendste Frage, die auch vom Auftraggeber sehr dringengestellt wurde war, ob das Maßnahmenkonzept tatsächlich gepasst hat.
00:16:07: Ob es hier irgendwelche gravierenden Fehler gegeben hat?
00:16:10: Ob jetzt das tatsächlich in Ordnung gelaufen ist?
00:16:14: Uns hat sehr interessiert, ob es zwischen den unterschiedlichen Fachfirmen in der Handschrift quasi Unterschiede gibt.
00:16:20: Ob's wirklich einen Unterschied macht, wer es ausführt das gleiche Maßnahmenkonzept.
00:16:25: Und natürlich, welche Schadensphänomene treten auf?
00:16:28: und gibt es irgendwelche Bauteile oder Bereiche- oder Fassadenabschnitte wo vermehrtsschadend Phänomente zu finden sind aus Gründen die dann noch herauszufinden werden?
00:16:40: Und dann eben auf Basis dessen sind Adaptierungen an dem Maßnahmekonzept notwendig.
00:16:46: Also wir haben ja nochmal sehr außergewöhnliche Situation.
00:16:50: hier können Alle Versagenabschnitte miteinander vergleichen und wissen einfach ganz genau, wann es ist restauriert worden.
00:16:56: Und nach was wir haben aus einem Konzept, das hat man sonst eigentlich – ich kenne jetzt kein anderes Gebäude oder Ensemble – wo man das so gut vergleiche kann.
00:17:05: Wie hat denn die Umsetzung dieser Evaluierung dann in der Praxis ausgesehen?
00:17:11: relativ ähnlich wie an der Aquituktbrücke herangegangen, an diese Aufgabe.
00:17:16: Wir haben zuerst einmal recherchiert und alle Restaurierberichte uns ausheben lassen.
00:17:21: Wir hatten Plangrundlagen zur Verfügung gestellt bekommen aber auch adaptiert wieder für unsere Zwecke.
00:17:28: Und wir haben dann eine Untersuchung vor Ort gemacht.
00:17:32: Das mit Hilfe von Erhebebühnen die jetzt im Fall der beiden Museen relativ hoch waren Also bis zu sechzig Meter aus Liga gehabt haben.
00:17:42: Wir konnten sehr weit drauf, konnten eigentlich fast alle Versadenbereiche damit auch erreichen und haben dann von der Hebebühne aus verschiedene Tests an den Fassaden durchgeführt.
00:17:54: also wir haben haptisch die Ohrflächen untersucht, wir haben es mit Hohlraumdetektor untersucht.
00:18:00: Wir haben Abriebtests gemacht ja und konnten so alle Bauabschnitte einzeln begutachten und konnten unsere Ergebnisse anhand der vorbereiteten Plangrundlagen verorten.
00:18:15: Da jetzt eine kurze Zwischenfrage von mir, habt ihr euch da eine Art repräsentative Bereiche oder Abschnitte ausgesucht?
00:18:22: Und dann die Oberflächen begutachtet und diese vor Ort-Tests gemacht?
00:18:26: Oder habt ihr wirklich jede Oberfläche von diesen zwei Gebäuden euch angesehen?
00:18:32: Weil das sind schon ziemlich viele Oberflöcher!
00:18:37: Ja also wir haben uns alle Bauabschnitte gesondert angeschaut.
00:18:42: Wir haben jetzt aber nicht in jedem Bauabschnitt jedes Detail überprüfen können, das wäre halt das Überstiegen.
00:18:48: Aber wir haben uns jeden Bauabschnitt angeschauen.
00:18:50: und natürlich je länger man sich dieser Gebäude anschaut, so wie bei jedem Objekt findet man einfach diese üblichen verdächtigen Stellen heraus ziemlich schnell wo man davon ausgeht okay dort könnten bereits Schäden sein.
00:19:06: Man sieht auch schon oft aus der Ferne, wenn es irgendwo ein Problem gibt wie es halt meistens ist feuchte Flecken, Salzflecken und so weiter.
00:19:14: also man kann hier dann sehr gezielt dann auch manche Bereiche auslassen wo es jetzt nicht davon ausgehen kann das ist da ganz sicher kein Schaden vorhanden und sich dann konzentrieren auf diese Ecken die besonders gerne geschädigt sind.
00:19:27: Ich habe auch eine kurze Zwischenfrage.
00:19:28: mich würde interessieren Wenn euch echt jeden Fassadenabschnitt angeschaut habt Wie lange hat das gedauert?
00:19:36: Also wir waren einige Wochen, wir war es für zwei drei Tage den ganzen Tag unterwegs mit dem Steiger.
00:19:43: Und hatte dir auch ein Seil und einen Kübel immer dabei?
00:19:47: Ich schau jetzt Anna an bzw.
00:19:49: ich lächle sie an dazu!
00:19:51: In einer anderen Folge hat Anna deine nette Anekdote preisgegeben zu einem ihrer Steigerfahrten.
00:20:00: Nein haben wir tatsächlich nicht.
00:20:02: also Kübel schon, Seil nicht.
00:20:04: Grundsätzlich ist es ganz gut, wenn man ein Kübel und einen Seil mit hat.
00:20:07: Wenn man auf einer Hebebühne ist.
00:20:08: Bloß, wenn's dann einfach eine sechzig Meter Hebebbühne bist... ...dann als er sechzig Meter Seile ist schon ziemlich klotz!
00:20:15: Das weiß jetzt nicht ob das so praktikabel ist.
00:20:19: Aber wir haben Glück gehabt.
00:20:20: ja also an einem Tag sind wir gerade am Boden gewesen Und die Hebebabühne wurde umgeparkt und in dem Augenblick ist der Hydraulikschlauch geplatzt.
00:20:31: Das ganze Ding ist stehen geblieben und das Öl hat sich über die Auffahrt zum KHM-Haupteingang ergossen.
00:20:38: Und damit war die Steigerfahrt für den Tag erledigt.
00:20:44: Puh, also das will ich mir nicht vorstellen!
00:20:47: Da habt ihr Glück gehabt.
00:20:48: Gott sei Dank wart ihr unten.
00:20:49: wie es passiert ist weil das wäre sicher unlustig gewesen da was in sechzig Meter Höhe irgendwo stecken zu bleiben möchte ich mir gar nicht vorstellen.
00:20:58: deswegen gehe ich gleich weiter zu meiner nächsten Frage.
00:21:02: Und zwar, du hast dir gesagt man bekommt schon ein bisschen einen Gefühl wenn man wirklich so eine lange Zeit mit dem Steiger unterwegs ist und sich einfach jeden Abschnitt anschaut und sie super miteinander vergleichen kann.
00:21:14: dann bekommt man hier schon den Gefühl dafür wo die Problemzonen sind wo man ein bisschen näher hinschauen muss wo man mehr übergehen kann.
00:21:24: aber am Ende des Tages müsst ihr ja eine Gesamtschau irgendwie zusammen bekommen.
00:21:29: Also die Martina hat das ja schon in der letzten Folge erwähnt, es ist sehr wichtig dann eine Gesamtbewertung durchführen zu können.
00:21:37: Wie hat das in diesem Fall ausgesehen?
00:21:41: Einerseits kann man sagen Es haben sich wenig Überraschungen gezeigt an den beiden Gebäuden.
00:21:48: Die Versadenabschnitte, wo die letzte Restaurierung am längsten zurückliegt sind im schlechtesten Zustand.
00:21:56: Das war zu erwarten weil einfach die Bewitterung am längsten dort angreifen konnte.
00:22:01: Was wir aber gesehen haben, war das vor allem in Ausrichtungen zur Hauptwindrichtung also Richtung Nordwest wo auch eben wo der meiste Wind auf die Fassaden trifft, aber auch Schlagregen Ersten auf die fassade trifft dass diese Fassadenoberflächen tendenziell an höheren Schädigungsgrad aufweisen als die anderen ganz egal wann sie restauriert wurden.
00:22:23: Also da ist jetzt egal, ob das zehn Jahre zurückliegt oder zwanzig Jahre zurück liegt.
00:22:27: Hier haben wir tatsächlich eine vermehrte oder höhere Schadensgrade.
00:22:32: und auch Bauteile bezogen sehen wir insbesondere an Bauteilen wo Verblechungen also Dächer schadhaft sind oder Blechanschlüsse schadhaft sind dass hier in den unteren Bereichen also besonders bei den Gesimmszonen wo oberhalb drauf verblechung sind in diesen unteren Bereichen vermehrt Schäden zu beobachten sind.
00:22:55: Auch akute Schäde, wo Teile auch herunterfallen bereits.
00:22:59: also da gibt es wirklich Probleme.
00:23:03: Das Ziel von dieser Evaluierung die ihr da gemacht habt war ja dann letztendlich auch die Erstellung eines Wartungsplans Also eines Plans den mit dem Arbeitgeber in die Hand drückt im besten Fall Wo drin entsteht wann welche Fassade oder welchen Fassaden Abschnitt in wieviel Jahren er ihn wieder restaurieren muss was das vielleicht auch kostet.
00:23:22: War das möglich?
00:23:23: Also, konnte die alle Fragen, die ihr euch im Zuge der Evaluierung gestellt habt, dementsprechend beantworten dass sie so einen Wartungsplan einer Stellen konntet.
00:23:33: Ja, es ist uns gelungen aber das liegt halt vor allem auch an dieser speziellen Situation bei diesen beiden Häusern.
00:23:40: wir haben hier einfach über die Vergleiche der verschiedenen Bauabschnitte konnten wir einfach sehr... also Wir konnten relativ leicht feststellen, wie schnell die Verwitterung ansetzt.
00:23:53: Man konnte sehr gut beobachten dass jetzt tendenziell nach zwanzig Jahren ungefähr der Schadensgrad sich zu steigern beginnt und hier Schäden da sind wo dann wirklich die nächste Wartung notwendig wird Auf Grundlage unserer Datenerhebungen Prognosen erstellen zu einem Wartungsplan für die jeweiligen Fassadenabschnitte.
00:24:20: Aber wir haben natürlich auch maßame Empfehlungen, die laufend einfach zur Erfolgen haben vorgelegt und das wären beispielsweise die jährlichen Sichtkontrollen, dass man einfach grundsätzlich auch die Mitarbeiter, die am Haus arbeiten ihre Häuser gut kennenlernen und je besser man das eigene Haus kennt, umso besser kann man dann auch auf Akutschäden vor allem reagieren.
00:24:44: Das ist ganz wichtig dass hier die akut Schäden sind ausgenommen von diesem Wartungsplan.
00:24:49: Die gehören einfach schnell behoben.
00:24:51: zumindest gehören hier eine Notsicherung durchgeführt zeitnah dem wartungs plan selbst für einzelne Versatenabschnitte.
00:24:58: der lässt sich einfach sehr gut aus den Untersuchungsergebnissen ableiten die wir einfach getätigt haben.
00:25:04: Das is ein sehr umfangreiches Projekt.
00:25:06: wenn ich das so zusammenfassen Darf die Vorbereitung auf die Evaluierung für das KHM und NHM, also diese ganze Recherche, die Aufbereitung der Plangrundlagen.
00:25:18: dann welche Fragen stellen wir an die Evaluation?
00:25:21: Welche Ergebnisse möchten wir erzielen.
00:25:24: Dann die Eveluierung vor Ort wo du gesagt hast, ihr wart einige Wochen mit dem Steiger unterwegs habt euch wirklich alle Fassadenabschnitten von beiden Häusern angeschaut.
00:25:33: Dann eine Gesamtschau erstellt, eine Zustandsanalyse die dann in einen Wartungsplan gemündet hat.
00:25:40: Also ich denke einfach die ganze Zeit an diese Unmengen an Daten, die da angefallen sind allein Fotos.
00:25:48: Diese unaussprechliche Anzahl von Fotos, die wahrscheinlich zusammengekommen ist und wahrscheinlich auch die ganzen Notizen, die man während der Steigerfahrten macht dass sich wahrscheinlich ein voller Notizblock davor mir.
00:26:00: Und dann hast du das bei dir zu Hause im Büro.
00:26:03: Da hast du sicher auch eine Systematik entwickelt, wie du mit diesen Daten umgehst und den Überblick zu behalten oder?
00:26:11: Ja also wir haben auf jeden Fall für jeden Fassadenabschnitt ein Datenblatt erstellt wo einfach die Eckdaten zum Bestand, zum Zustand aber auch die Fotodokumentation eingefügt wurden.
00:26:23: Also wir haben hier sehr systematisch die Daten erhoben gesammelt dass wir wieder sehr gute Zusammenschauden machen können.
00:26:33: Im Bericht wurden dann auch die einzelnen Versadenabschnitte nach Ansichtsfläche der Gebäude noch einmal besprochen und diskutiert, hier eine überblickshafte Zustandsbewertung durchgeführt, das man für den Auftraggeber plakative aber auch sehr eindeutig zuordnbare Zustandskartierung quasi eine kleine auf einem Grundriss erstellt haben, dass man hier gleich sieht wo wann was zu tun ist.
00:27:05: Also es ist eine große Datenmenge wieder aber leicht zu bewältigen wenn man's gut sortiert aufnimmt.
00:27:14: Und wie lang hat das Projekt insgesamt gedauert?
00:27:18: Mit Unterbrechungen war man sicher drei Vierteljahre damit beschäftigt und haben hier gut zu tun gehabt.
00:27:26: Ja, danke für den Einblick in dieses zweite sehr große Projekt von dir neben der Leasinger Aqueduct Brücke.
00:27:33: Und jetzt am Schluss eine leichte Frage!
00:27:35: Wie lange arbeitest du eigentlich schon genau in der Restaurierung und was macht dir dann am meisten Spaß daran?
00:27:42: Ich arbeite seit einigen Jahrzehnten in der restaurierung und die meiste Zeit davon war ich selbstständig tätig und bin auch immer noch selbstständigtätig.
00:27:55: Meistens Spaß macht ist einfach die Vielfalt der Aufgaben, die einem da unterkommen.
00:28:00: Es ist einfach eine Abwechslung.
00:28:02: Ich kann jetzt nicht sagen dass es die Ausführung ist oder ob das große kleine Gebäude oder ob es jetzt Planung ist und auch restauratorische Baubegleitung.
00:28:12: Ich finde alles interessant und es macht mir alles Spaß.
00:28:18: Es muss einfach ausgewogen bleiben.
00:28:20: Also immer nur das Eine ist dann auch Fahrt!
00:28:25: Vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit genommen hast Teil eins und Teil zwei zur Baudenkmalpflege mit uns zu besprechen und uns da Einblicke in zwei sehr große Projekte zu geben.
00:28:38: Ich fand das Gespräch sehr spannend und aufstoßreich!
00:28:42: Ja danke für die Einladung, war sehr gerne hier.
00:28:47: Bleibt nur noch eines zu sagen Hat euch die Folge gefallen oder möchtet ihr uns Feedback geben?
00:28:53: Martina Wie kann man uns erreichen?
00:28:56: Einfach in die Podcast-Beschreibung schauen.
00:28:58: Dort findet ihr unsere Mailadresse und unseren Instagram Account.
00:29:02: Falls euch der Podcast gefällt, könnt ihr gerne eine Bewertung dalassen!
00:29:06: Und falls ihr Vorschläge und Anregungen für Themen habt, die euch interessieren, können wir uns diese natürlich auch gerne schicken – wir freuen uns!
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